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SÜDTIROL NACH 1918
SÜDTIROL NACH 1918
Bomben und Paket
Jedoch auch auf ganz anderer Ebene wurde in Südtirol um Aufmerksamkeit und Gehör gekämpft. In der Nacht des Herz-Jesu-Sonntag 1961, der so genannten „Feuernacht“, wurden mehrere Dutzend Hochspannungsmasten gesprengt. Man wollte damit die oberitalienischen Industriegebiete von der Stromzufuhr abschneiden. Die Bombenexplosionen sorgten für großes Aufsehen. Sie hatten ja auch zum Ziel, die internationale Aufmerksamkeit auf Südtirol zu ziehen. Auf die Attentate folgten scharfe Polizeiaktionen. Dennoch gab es auch in den nächsten Jahren noch Anschläge. Die ersten Attentäter versuchten Menschleben zu schonen. Doch bei späteren Anschlägen kamen vor allem Angehörige der Streitkräfte ums Leben. Heute werden diese Jahre die „Bombenjahre“ genannt.

Die römische Regierung wird wohl den Ernst der Lage erkannt haben. Jedenfalls setzte sie eine Kommission aus 19 Mitgliedern ein, die Neunzehnerkommission. Sie erhielt die Aufgabe, das Südtirolproblem genau zu untersuchen und der Regierung Lösungsvorschläge zu unterbreiten. Die Vorschläge der Kommission waren dann Gegenstand der Verhandlungen zwischen Italien und Österreich unter Einbeziehung der politischen Vertreter Südtirols.

Schließlich wurden die Verhandlungsergebnisse zu einem „Paket“ zusammengefasst. Das „Paket“ enthielt also eine lange Reihe von Maßnahmen, die umzusetzen waren, damit Südtirol seine eigene Autonomie erhalten konnte. 1969 stimmte die SVP auf einer außerordentlichen Landesversammlung mit knapper Mehrheit für die Annahme des Paketes. Anschließend wurde das Paket dem italienischen Parlament vorgelegt und von diesem als neues Autonomiestatut verabschiedet. Dieses zweite Autonomiestatut beinhaltet viele wichtige Bestimmungen zum Schutze der deutschen und ladinischen Volksgruppe, ist aber gleichzeitig auch für die italienische Volksgruppe in Südtirol von Bedeutung.

Den beiden Provinzen Bozen und Trient wurden weitgehende Kompetenzen in Gesetzgebung und Verwaltung zugesichert. Damit dieses neue Autonomiestatut auch umgesetzt werden konnte wie auch zur Erlangung der Zuständigkeiten, mussten eigene Durchführungsbestimmungen ausgearbeitet werden. Wiederum wurden dafür Kommissionen gebildet: die Sechser- und die Zwölferkommission. Im Jahr 1992 kam es zum Paketabschluss. Österreich und Italien legten daraufhin der UNO die Streitbeilegungserklärung vor.