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SÜDTIROL NACH 1918
SÜDTIROL NACH 1918
Der Pariser Vertrag
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Südtirolproblem
international. Die italienischen Vertreter auf der Pariser Friedenskonferenz wollten von einer Abtretung Südtirols nichts wissen. Österreich war zu Verhandlungen bereit. So kam es am Rande der Friedenskonferenz zu einem Abkommen zwischen dem italienischen Ministerpräsidenten Alcide Degasperi und dem österreichischen Außenminister Karl Gruber. Am 5. September 1946 wurde also in Paris das Gruber–Degasperi–Abkommen unterzeichnet, bekannt auch als der Pariser Vertrag. Das ist die Grundlage für unsere Autonomie. Die Brennergrenze blieb, doch wurde erkannt, dass Minderheiten geschützt werden müssten. Erstmals gab es Zusicherungen für die deutschsprachige Minderheit in Südtirol. Das italienisch-österreichische Südtirolabkommen, der Pariser Vertrag, wurde Bestandteil des Friedensvertrags, den die Alliierten mit Italien schlossen.


Der Text des Pariser Vertrages in deutscher Sprache:
(aus: „Das neue Autonomiestatut“,12. Aufl. 2005, S. 9/10)

Abkommen, das am 5. September 1946 zwischen der österreichischen und der italienischen Regierung zustande gekommen ist: 

1. Die deutschsprachigen Bewohner der Provinz Bozen und der benachbarten zweisprachigen Gemeinden der Provinz Trient genießen die volle Gleichberechtigung mit den italienischsprachigen Einwohnern im Rahmen besonderer Maßnahmen zum Schutze der völkischen Eigenart und der kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung der deutschen Sprachgruppe. In Übereinstimmung mit den bereits erlassenen oder zu erlassenden gesetzlichen Maßnahmen wird den Staatsbürgern deutscher Zunge im besonderen gewährt:
a) Volks- und Mittelschulunterricht in ihrer Muttersprache;
b) Gleichberechtigung der deutschen und italienischen Sprache in öffentlichen Ämtern und amtlichen Urkunden wie auch in der zweisprachigen Ortsnamengebung;
c) das Recht, die deutschen Familiennamen wiederzuerwerben, die im Laufe der vergangenen Jahre italienisiert wurden;
d) Gleichberechtigung bei Zulassung zu öffentlichen Ämtern, zum Zwecke, eine angemessenere Verteilung der Beamtenstellen zwischen den beiden Volksgruppen zu verwirklichen.

2. Der Bevölkerung obengenannter Gebiete wird die Ausübung einer autonomen Gesetzgebungs- und Vollzugsgewalt für den Bereich ihrer Gebiete zuerkannt. Der Rahmen, in welchem die besagte Autonomie Anwendung findet, wird noch bestimmt, wobei auch örtliche Vertreter der deutschsprachigen Bevölkerung zu Rate gezogen werden.

3. Die italienische Regierung verpflichtet sich, zum Zwecke der Herstellung gutnachbarlicher Beziehungen zwischen Österreich und Italien, nach Beratung mit der österreichischen Regierung und innerhalb eines Jahres nach Unterzeichnung vorliegenden Vertrags:
a) im Geiste der Billigkeit und Weitherzigkeit die Frage der Staatsbürgerschaftsoptionen, welche sich aus dem Abkommen Hitler-Mussolini vom Jahre 1939 ergibt, neu zu regeln;
b) eine Vereinbarung über die gegenseitige Anerkennung der Gültigkeit gewisser Studientitel und Hochschuldiplome zu treffen;
c) ein Abkommen über den freien Personen- und Güterverkehr zwischen Nordtirol und Osttirol auf dem Schienenwege und in möglichst weitgehendem Umfange auch auf dem Straßenwege zu treffen;
d) Sonderabmachungen zur Erleichterung eines erweiterten Grenzverkehrs und örtlichen Austausches bestimmter Mengen heimischer Erzeugnisse und Güter zwischen Österreich und Italien zu treffen.“



Zu Jahresbeginn 1948 wurde von der italienischen verfassungsgebenden Nationalversammlung das erste Autonomiestatut genehmigt.
Das Autonomiestatut wurde der gesamten Region, bestehend aus den Provinzen Bozen und Trient, gewährt. Die meisten Kompetenzen lagen damit beim Regionalrat und der Regionalregierung. Dies widersprach aus Südtirols Sicht den Zielsetzungen des Pariser Vertrags. Denn die Selbstverwaltung lag damit in den Händen der italienischen Mehrheit. Zwar wurde die Optantenfrage rasch geregelt, ansonsten ging aber in der Erfüllung des Pariser Vertrages kaum etwas weiter.