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SÜDTIROL VOR 1918
SÜDTIROL VOR 1918
Mittelalter
Um die Jahrtausendwende wurden im Zuge der Reichspolitik an die Bischöfe von Brixen und Trient Reichslehen vergeben. Die Herrscher hatten in den Bischöfen treue Untergebene. Sie waren daran interessiert, dass der Brenner als niedrigster Alpenübergang gesichert sei. Wegen der nicht weniger als 66 Romzüge deutscher Könige bzw. Kaiser spricht man daher auch von der Königsstraße. Die Ausübung weltlicher Macht war aber mit dem Bischofsamt unvereinbar. Daher übergaben die Bischöfe die Grafschaftsgewalt an mächtige weltliche Adelsgeschlechter und machten sie zu Schutzvögten. Zu immer mehr Macht brachten es in diesem Zusammenhang die Grafen von Tirol.

Nach dem Aussterben der Grafen von Eppan-Ulten und der Herzoge von Andechs-Meranien konnte Graf Albert III. von Tirol das „Land im Gebirge“ großteils in seinem Machtbereich vereinigen. Das war im Jahr 1248, welches daher auch gerne als das Geburtsjahr des Landes Tirol bezeichnet wird. In den Urkunden kommt ab dieser Zeit die Bezeichnung „Herrschaft der Grafen von Tirol“ oder einfach „Grafschaft Tirol“ auf, welche die bis dahin übliche Bezeichnung „Land im Gebirge“ ablöst.

Durch Kauf, Heirat und Waffengewalt baute Graf Meinhard II. von Tirol, der Enkel Graf Alberts, die Herrschaft im Lande konsequent aus. Er war ein kluger Taktiker mit Weitblick und wird gerne als der „Schöpfer Tirols“ bezeichnet. Seine Enkelin, Gräfin Margaretha (genannt Maultasch), übergab das Land kurz nach dem Tod ihres einzigen Sohnes 1363 an die Habsburger.

Der Ausbau der Verkehrswege für den Nord-Südverkehr erfuhr zu Beginn des 14. Jahrhunderts eine bedeutende Weiterentwicklung dadurch, dass der Bozner Kaufmann Heinrich Kunter eine Straße durch die Eisackschlucht zwischen Bozen und Kollmann errichten ließ. Dies hatte zur Folge, dass der beschwerliche Umweg über den Ritten wegfiel. Im 15. Jahrhundert stand Tirol wirtschaftlich nicht nur wegen des blühenden Durchzugshandels besonders gut da, sondern auch wegen der reichen Erträge aus dem Bergbau.

Der größte Teil der Bevölkerung siedelte im Mittelalter in Dörfern, ländlichen Siedlungen und Einzelhöfen. Nur der geringere Teil wohnte in Städten und Marktorten. Die soziale Situation der bäuerlichen Bevölkerung verbesserte sich im Lauf des Mittelalters zusehends. So verschwand die Leibeigenschaft praktisch ganz. Diesen Vorgang förderten die Landesfürsten. Das Gesetz der freien Erbleihe von 1404 ermöglichte es den Hofinhabern, die Höfe an ihre Nachkommen zu vererben. Auf diese Weise war Tirol im Spätmittelalter zu einem Land mit freien Bauern geworden.

Schon damals gab es in Tirol eigene Rechte und Freiheiten – das war für die Zeit des Mittelalters bereits sehr modern! Diese Rechte und Freiheiten wurden im Jahr 1342 den Landständen gewährt und im "Großen Freiheitsbrief" verankert. Der Freiheitsbrief ist die älteste Urkunde der Tiroler Freiheiten. In ihm sind die Mitsprache bei Steuersachen, Gesetzgebung und Regierung des Landes geregelt. Der "Große Freiheitsbrief" ist also schon so etwas wie eine Verfassung für Tirol gewesen. Und Tirol war damals recht groß: Die Gebiete von der Nordkette der Alpen bis hin zu den Südausläufern am Gardasee zählten dazu. Ein großes Gebiet mit einer Vielfalt an Kulturen und Sprachen.

Um 1420 wurde Tirols Landeshauptstadt aus verkehrs- und verwaltungstechnischen Gründen von Meran nach Innsbruck verlegt. 1477 verlegte Erzherzog Sigmund (genannt „der Münzreiche“) die Münzstätte von Meran nach Hall. Ebendieser Erzherzog Sigmund übergab 1490 Tirol an seinen nächsten Verwandten Maximilian, den späteren Kaiser.